Unternehmenssteuerung: Die BWA richtig lesen

13.01.2015

München – Viele niedergelassene Ärzte oder Zahnärzte lassen sich eine monatliche BWA anfertigen – für Praxisführung und -erfolg hat dies einen hohen Stellenwert.

Der niedergelassene Arzt ist Unternehmer, Controller, Planer und Verantwortlicher für die Mitarbeiter, und dies alles in Personalunion. Die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) – richtig gelesen – dient ihm bei diesem vielfältigen Aufgabenspektrum als hervorragende Kontroll- und Planungsunterlage. Dabei ist die Buchführung der Praxis kein quälendes Verwaltungsmonster mehr, denn die monatliche Umsetzung muss vom Arzt-Unternehmer nicht zuletzt durch die modernen Digitalisierungsmöglichkeiten in der Buchhaltung („elektronisches Bankbuchen“) nicht mehr als Belastung empfunden werden.

Zudem wird die BWA nicht für das Finanzamt erstellt, sondern ist Messgröße des Praxiserfolgs. Aus ihr kann monatlich abgeleitet werden, wo die Praxis wirtschaftlich steht, ob etwas aus dem Ruder läuft oder ob die Zielvorgaben erreicht wurden. Sie dient als Planungs-, Handlungs- und Vergleichsinstrument.

Die BWA ermittelt den Erfolg der niedergelassenen Praxis durch Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben mit sehr vielen Zahlen, was optisch wenig ansprechend erscheint. Doch hier kann der Steuerberater wertvolle Hilfestellung leisten. So können durch die Controlling-Report-BWA reine Zahlenreihen in Bilder und Grafiken umgesetzt werden – die bildlichen Darstellungen vermitteln einen deutlich interessanteren Eindruck als Zahlenkolonnen und sind dadurch leichter erfassbar und verständlich.

Monatliche BWA und Liquiditätsplanung

Der Praxisgewinn des Arztes ist laut BWA gut, sogar besser als im Vorjahr, aber auf dem Bankkonto ist deutlich weniger Geld als vermutet, wie passt das zusammen?

 

Von entscheidender Bedeutung ist hier die Tatsache, dass die BWA den betrieblichen Gewinn widerspiegelt. Abflüsse in die Privatsphäre beeinflussen den Gewinn dagegen nicht, dies sind sogenannte Gewinnverwendungen. So sind Einkommensteuervorauszahlungen oder Nachzahlungen zur Einkommensteuer leider auch Gewinnverwendungen und schmälern das Bankkonto, aber nicht den betriebswirtschaftlichen Gewinn. Auch alle anderen Privatausgaben mindern die Liquidität, diese müssen daher ebenfalls einer Kontrolle unterliegen.

Solche privaten Ausgaben sind beispielsweise auch die Beiträge zur Ärzteversorgung, zur Krankenversicherung des Arztes sowie nicht zuletzt die privaten Lebenshaltungskosten. Sinnvoll ist es daher, wenn neben der Einkommensteuerplanung auch eine Planung der Privatausgaben und somit eine Planung der Liquidität erstellt wird. Der sogenannte Cashflow (Gewinn plus Abschreibungen) ist hierbei ein Maßstab für die Liquidität und damit auch für die Finanzierungskraft der Arztpraxis. Die „freie Liquidität“, eine weitere Kennzahl, in die die erwähnten Privataufwendungen des Unternehmers Eingang finden, muss positiv sein, ansonsten herrscht Alarmstufe.

Vergleich spornt an

Wer vergleicht sich nicht gern mit Wettbewerbern? Wo steht die eigene Praxis, wo ist sie besser, wo schlechter aufgestellt als die Gruppe der vergleichbaren Mediziner?

Auch hier bietet die BWA Möglichkeiten. Durch die große Zahl der Arztpraxen, die Ecovis als Mandanten ihr Vertrauen schenken, steht ein umfangreicher Daten-Pool zur Verfügung. Möglich ist es– selbstverständlich anonymisiert und strengstens vertraulich –, die eigene Facharztpraxis beispielsweise für Urologie in Rosenheim mit der Gruppe der Fachärzte gleicher Umsatzgröße in Süddeutschland zu vergleichen. Es können Kennzahlen ermittelt werden, mit denen Aussagen über die eigene Arztpraxis abgeleitet werden können. Stimmt die Personalquote im Vergleich? Wie hoch ist die Umsatzrentabilität der Praxis im Vergleich zum Durchschnitt der Vergleichsgruppe? Liegt die eigene Privatliquidationsquote über oder unter dem Schnitt?

Solche Kennzahlen dienen der Orientierung in der niedergelassenen Praxis, sie können als Zielvorgabe verwendet werden und sie können helfen, möglicherweise vorhandene Schwachstellen aufzudecken.

Fazit:

Führen Sie, wenn noch nicht geschehen, einen monatlichen Rhythmus zur Aufbereitung Ihrer betriebswirtschaftlichen Zahlen in Ihrer Arztpraxis ein. Dies ist wegen Aktualität, Aussagekraft und Planung ein maßgebender Einflussfaktor für Ihren Erfolg.

Gerhard Schapperer, Steuerberater bei Ecovis in München, [email protected]