Casting Call: Allround-Talent Rabea Schif und Frankfurt’s boomende Kulturszene
Die Frankfurter Mode-Ikone über neue Trends und Entwicklungen ihrer Heimatstadt, Frankfurt
ZEIT × Tourdulich
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Wenn der Begriff „modern melting pot“ zu einem Ort passt, dann zum Bahnhofsviertel. Der berühmt-berüchtigte Stadtteil, der nach außen hin ein verwegenes Image pflegt, zieht immer mehr junge Künstler, Querdenker und Kreative an.

Rabea Schif ist eine von ihnen. Die Ur-Frankfurterin verdient ihre Brötchen auf den unterschiedlichsten medialen Kanälen. So leiht sie verschiedenen Fashion- und Lifestyle-Shows (z.B. auf fashiondaily.tv, ProSieben und VOX) ihr Gesicht und ist stets beschäftigt neue Impulse in die Welt des Mode-Journalismus zu geben. Sie öffnet ihre Türen mit einem Lachen im Gesicht und einer Frühstückstasse in der Hand, die ohne Umwege erklärt: „I’m a belieber!“

In den 20 Jahren, die Rabea bereits im deutschen und britischen Medien- und Modebusiness unterwegs ist, hat sie einiges an Erfahrungen gesammelt: „Probier’ dich aus, wage dich immer an Neues heran und wachse an deinen Aufgaben!“ Ohne Zögern packte sie nach dem Abitur ihre Sachen und zog nach London – und blieb 13 Jahre lang dort.

Rabeas Gesicht und ihre Ausstrahlung blieben nicht lange unentdeckt und so ließen die ersten Auftritte in Musikvideos nicht auf sich warten. Gleichzeitig verfolgte sie ihre große Leidenschaft für Mode und tauchte bereits früh in die Londoner Szene ein. „Als ich nach einem Job gesucht habe spazierte ich einfach bei Smile zur Tür herein. Ich war mir überhaupt nicht bewusst, dass ich mich hier in den Hallen einer internationalen Topagentur befand, was Fotografie und Mode angeht“, offenbart sie grinsend. „Klar, ich kannte Ellen von Unwerth, aber ich hatte noch keinen Überblick über die großen Namen aus Fotografie und Styling. Trotzdem hieß es dann: ‚Weißt du was? Wir suchen nach einer Assistenz für unser Management!’ Ich habe mich tatsächlich durchgesetzt und das bedeutete für mich wirklich einen unglaublichen Start in London!“ Nachdem sie zwei Jahre bei Smile verbracht hatte, stand auch gleich das nächste große Angebot vor der Tür: Advertising Director beim Exit Magazine, Rabeas ganz persönliche „Bibel“ für Mode und Kunst. Gleichzeitig arbeitete sie daran einen Traum in die Tat umzusetzen, der immer schon im Hinterkopf saß: Der Schritt vor die Kamera.

Ganz offensichtlich sind die Bereiche, an die sie sich nicht herangewagt hätte überschaubar. Diese Zuversicht ist ein Thema, das im Gespräch immer wieder auftauchen wird, denn ihre ganz persönliche Erfahrung hat ihr stets aufs Neue gezeigt, dass es nur eine Möglichkeit gibt, um vorwärts zu kommen: mutig sein! Dies wird vor allem deutlich, wenn wir uns auf Rabeas Spezialgebiet begeben: Sie hat eine klare Antwort auf die Frage, warum die deutsche Modeindustrie allgemein (und die Frankfurter im Speziellen) im internationalen Geschäft kein großes Standing haben: „Es fehlt einfach an Abenteuerlust! Natürlich kann man in Sachen Mode das Rad nicht ständig neu erfinden. Ein T-Shirt wird nun einmal immer ein T-Shirt bleiben. Das heißt aber nicht, dass man seine Freude am Experimentieren aufgeben sollte!“ In London herrschte ein Vibe, der es ganz natürlich machte ausgefallene Hüte und exzentrische Leopardenmäntel zu tragen. Als sie nach Frankfurt zurückkam unterzog sie ihre Garderobe einer kritischen Revision, einem „Downgrade“, auch wenn das nicht wirklich der erste Gedanke ist, den man beim Betreten ihres Ankleidezimmers hegt.

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Porträt von Jean Michel Basquiat, fotografiert von Page Powell. Rabea hat es bei „Exhibition A“ bestellt, der berühmten New Yorker Kunstgalerie.
Fotobuch von Bailey & Rankin: Die zwei berüchtigten britischen Fotografen versammeln hier ihre kontroverse Sammlung erotischer Fotografien. Die Ausgabe ist streng limitiert und war ein Geschenk von Rabeas Ex-Freund.
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Wenn sie feststellt, wie „schade es ist, dass noch nie ein Trend in Deutschland geboren wurde“, dann spürt man regelrecht wie sehr sie von dem Wunsch getrieben ist dies zu ändern. Als Liebhaberin von originellem Design ist sie immer hungrig nach Innovation, nicht nur in der Mode selbst, sondern auch im Modejournalismus. „Qualität und Quantität sind heutzutage einfach total ungleich verteilt. Deswegen haben wir eine riesige Marktsättigung, die unsere Kreativität kaputt macht. Once you go high street, you never go back!“ Bedeutet auf den Punkt gebracht: In einer Wirtschaft, die Mut unter Strafe stellt und es gleichzeitig belohnt mit dem Strom zu schwimmen, kann es keinen echten Fortschritt geben. „Wenn wir jetzt über Modejournalismus nachdenken,dann muss man sagen, dass die Zukunft im Online Content liegt und der ist natürlich schnell geneigt Dinge zu verkürzen“, gibt Rabea zu bedenken als wir durch das Viertel streifen. „Instagram z.B. ist eine wirklich wichtige Plattform und es macht total Spaß, aber ich finde, dass es auch weiterhin Medien geben muss, die gut recherchierte Storys von investigativen Modejournalisten bringen, egal, ob als Rundfunk oder Print-Format.”

„Achtsamkeit ist enorm wichtig. Für mich ist das ein Lebensstil.“

Ihr Ansatz klingt mindestens genauso ehrgeizig wie ihre Zukunftspläne. Nachdem sie zwei Jahre das Gesicht der Sendung „Prominent!“ auf VOX war, gilt es nun sich umzuorientieren: Mehr Freelance Jobs ist so ein Wunsch, der ganz oben auf der Liste steht, weil sie hier ganz genau auswählen kann, welche Projekte sie unterstützen möchte. Als überzeugter Fan von sinnvollen Inhalten liebt sie z.B. Ellen DeGeneres und ihre tiefen Gespräche, die immer einen ganz besonderen Blick auf ihre Interviewpartner ermöglichen. Wenn es darum geht Inhalte in die Modeindustrie zu bringen, ist es Rabeas Herzensangelegenheit Bewusstsein über die Industrie und ihre Produktionsprozesse zu schaffen. „Achtsamkeit ist enorm wichtig. Für mich ist das ein Lebensstil, weil es die Wahl deiner Lebensmittel beeinflusst, die Art und Weise wie du andere behandelst oder eben den Kauf deiner Kleidung. Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit sind Themen, die mir immer wichtiger werden und das möchte ich auch an andere weitergeben.“

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Bei all dem Optimismus und der Leichtigkeit in ihren Worten weiß man, dass die Frau nicht nur redet. Auch wenn sie andächtig an Justin Bieber glaubt, ihr Glauben an etwas anderes scheint noch größer: an sich selbst, ihre Worte, ihre Ansichten und an ihr Handeln. Wenn Slow Fashion ein Konzept ist, das mehr und mehr Beachtung findet, könnte dies ein Slow Fashion Journalism dann nicht ebenso? Rabea selbst ist eine der führenden Kräfte, die daran arbeitet einen medialen Raum zu schaffen, in dem Zuschauer- und Leser ermutigt werden ihre Köpfe einzuschalten, staubige Grenzen zu überwinden und gleichzeitig eine gehörige Portion Selbstironie an den Tag zu legen. Apropos Selbstironie, wer wird wohl bald bei „Promi Shopping Queen“ zu sehen sein? Ganz richtig, die öffentliche Arena, in der vier Prominente einen gnadenlosen Krieg um die Frage führen, wer die ausgefeiltesten Styling Skills an den Start bringt. Rabea weiß wie man sich stets ein Augenzwinkern bewahrt. Die eigene Fashion-Kompetenz auf den Prüfstand stellen ist jedenfalls zweifelsohne Beweis für eine ausgeprägte Abenteuerlust!

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Vielen Dank Rabea, dass du uns persönliche Einblicke in dein Leben gewährt und deine liebsten Hotspots in Frankfurt gezeigt hast. Schaut mal auf ihrer vorbei oder folgt ihr auf , um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben!

Text: Lisa Schmidt-Herzog

Fotografie: Ramon Haindl